Von Jochen Mitschka – 21. Juni 2026

Selenskyj hat vor wenigen Tagen ein einwöchiges Ultimatum an Lukashenko gestellt: Demontieren Sie die Grenzrelaisstationen, die angeblich russische Drohnen leiten und liefern sie keine Ölprodukte an Russland … oder die Ukraine wird sie angreifen. Aber der belarussische Präsident kann unmöglich auf dieses Ultimatum eingehen.
Während Selenskyj dies als angeblichen Schutz der Zivilbevölkerung dargestellt, birgt dieser Schachzug die Gefahr, Belarus in einen vollständigen Krieg hineinzuziehen und eine gefährliche neue nördliche Front zu eröffnen. Es folgt dem schrittweisen Eskalationsschauspiel, das im RAND-Papier „Extending Russia“ detailliert wird – russische Streitkräfte in Europa binden, damit die USA sich auf China konzentrieren können. Das Script hat sich noch lange nicht geändert, sagen einige Beobachter.
Europas globalistische Eliten weigern sich, jede Niederlage hinzunehmen, und sehen Russland und den Iran als Sprungbretter für den größeren Zusammenstoß mit China. Und Selenskyjs Überlebensstrategie ist es, die NATO zum Krieg gegen Russland zu bewegen, Tod und Zerstörung auf ganz Europa auszudehnen. So zumindest die Meinung im Globalen Süden.
Sicher ist, dass die Risiken eines erweiterten Krieges und einer direkten Konfrontation zwischen Europa und Russland mit einem Eintritt Weißrusslands in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine außer Kontrolle geraten.
Zunächst noch mal die Details
Am 19. Juni erklärte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit dem honduranischen Präsidenten Nasry Asfura, Belarus habe eine Woche Zeit, um Relaisstationen auf Grenztürmen in zwei Regionen abzubauen, die nach ukrainischen Angaben russische Drohnenangriffe auf Zivilgebiete steuern – andernfalls werde die Ukraine sie selbst ausschalten. Er begründete die Frist damit, dass täglich Zivilisten sterben und Kinder verletzt werden. Zusätzlich forderte er Belarus auf, seine Treibstofflieferungen einzustellen, die der russischen Armee zugutekommen, da Belarus einer der Hauptlieferanten der russischen Streitkräfte sei. Bemerkenswert: Nur drei Tage zuvor, am 16. Juni, hatte sich Lukaschenko in einem Interview mit Al Arabiya noch für frühere scharfe Äußerungen gegenüber Selenskyj entschuldigt und betont, von Belarus gehe „absolut nichts“ für die Ukraine zu befürchten. Nach dem Ultimatum drohte er dagegen mit einem Gegenschlag auf ein „sehr wichtiges“ Ziel in der Ukraine. Die Tonlage hat sich also innerhalb weniger Tage deutlich verschärft.
Schauen wir uns die verschiedenen Sichtweisen auf diese Entwicklung an
Die ukrainische/westlich-sicherheitspolitische Lesart: Selbstverteidigung mit klarer Adresse
Aus Kyjiws/Kiews Sicht ist das Ultimatum keine Aggression, sondern die öffentliche Markierung einer roten Linie gegen eine Infrastruktur, die de facto im Kriegsgeschehen genutzt wird. Die Argumentation: Wenn Belarus seit 2022 russisches Territorium für Angriffe zur Verfügung stellt, russische Atomwaffen und Militärinfrastruktur beherbergt und Bauteile für die russische Rüstungsindustrie liefert, dann ist die Behauptung Lukaschenkos, sein Land sei nicht in den Krieg involviert, in den Augen Kyjiws unglaubwürdig. Selenskyj hatte bereits Anfang Mai erklärt, die Ukraine sei zu „präventiven“ Maßnahmen bereit, falls sich militärische Bedrohungen aus dem Norden konkretisieren. In dieser Lesart ist das Ultimatum kalkuliert eng gefasst – es zielt auf konkrete technische Infrastruktur (Relaisstationen), nicht auf eine Invasion, und lässt Lukaschenko bewusst einen Ausweg, der ihm erlauben würde, sein Land formal aus dem Krieg herauszuhalten.
Die Frage ist, was, wenn diese Ansicht richtig sein sollte, mit den NATO-Ländern ist, welche ähnlich und noch weit darüber hinaus, für die Ukraine Leistungen erbringen.