Von Stefano i Lorenzo – 13. Juni 2026

Stefano di Lorenzo, ein seit Jahren zuverläßiger Korrespondent der Online-Plattform Globalbridge, kennt die Krim aus eigener Anschauung. Hier berichtet er über die ukrainischen Angriffe auf die Krim und über die Spekulationen der Ukrainer, die Krim zurückerobern zu können. – Siehe am Schluss des Artikels auch die Verlinkungen auf Berichte über die Krim von Christian Müller. (cm)
Noch vor wenigen Monaten hätte diese Frage unwahrscheinlich, ja sogar absurd erscheinen können. Die gescheiterte ukrainische Gegenoffensive im Sommer 2023 zielte darauf ab, die Landbrücke zwischen Mariupol und der Krimhalbinsel zu durchtrennen. Damals, in den Wochen vor dem ukrainischen Angriff, behaupteten ukrainische und westliche Militärexperten, die Ukraine habe eine realistische Chance, die Krim zurückzuerobern. Tatsächlich hieß es, die Aussicht auf eine Rückeroberung der Krim sei für die Ukraine viel realistischer als ein erfolgreicher Vorstoß in den schwer befestigten Donbass. Ukrainische Regierungsvertreter meinten, sie würden im kommenden Mai in Jalta Kaffee trinken. Selenskyj selbst hatte behauptet, der russisch-ukrainische Krieg habe auf der Krim begonnen (in Anspielung auf den Übergang der Krim an Russland im Jahr 2014) und werde auf der Krim enden. Das katastrophale Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive im Jahr 2023 wirkte ernüchternd. Zumindest für eine Weile.
Ein immer enger werdender Landkorridor
Drei Jahre später jedoch tauchen wieder Gespräche über eine mögliche Rückeroberung der Krim auf. In den ersten Monaten des Jahres 2022 bestand Russlands wichtigstes territoriales Ziel darin, einen Landkorridor zwischen dem Donbass und der Krim zu sichern. Nach acht Jahren logistischer Herausforderungen konnte die Krim nun auf dem Landweg versorgt werden. Russland hatte in Rekordzeit eine 19 km lange Brücke über die Straße von Kertsch gebaut, die die russische Region Krasnodar von der Krim trennt, und diese wurde 2018 eröffnet. Doch die Brücke erwies sich, insbesondere im Kontext des Krieges, als fragiles Risiko. Seit 2022 wurde sie bereits dreimal schwer beschädigt. Jeder Angriff wurde in der Ukraine und von den eifrigsten Anhängern der ukrainischen Sache im Westen gefeiert — eine groteske Zurschaustellung kollektiver Schadenfreude. Etwas, das in den letzten Jahren zur Norm geworden ist.
Nun ist der etwa 100 km breite Landkorridor zwischen der Region Rostow in Südrussland zunehmend ukrainischen Drohnenangriffen ausgesetzt. Die Ukrainer zeigen sich mittlerweile bei der Wahl ihrer Ziele nicht gerade allzu wählerisch. Die neuen ukrainischen Drohnen, von denen viele von dem amerikanischen Unternehmen Perennial stammen, sind mit KI-Systemen ausgestattet und benötigen keine menschlichen Bediener zur Zielauswahl. Daher gelten diese „Hornet“-Drohnen als sehr effektiv. Der Besitzer von Perennial ist der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt.
Eine Strategie des maximalen Schadens
Die durch diese Drohnenangriffe verursachten Schäden sind enorm — oft aber auch wahllos. In den letzten Wochen scheint Quantität gegenüber der Qualität der Ziele Vorrang gehabt zu haben. Lastwagen entlang der Autobahn R280 zwischen Rostow und Simferopol werden regelmäßig getroffen, unabhängig davon, was sie transportieren. Die Logistik zwischen dem russischen Festland und der Krim wird zu einer Herausforderung.
Auch über den Landkorridor vom Donbass zur Krim hinaus haben die verstärkten Drohnenangriffe zu zahlreichen „Kollateralschäden“ geführt. In der Region Luhansk gab es den Angriff auf die Berufsschule in Starobilsk, bei dem 21 junge Menschen starben. In der Region Donezk wurde letzte Woche ein Reisebus von einer Drohne getroffen, wobei acht Menschen ums Leben kamen. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni wurde auch ein Personenzug auf der Krim getroffen. Russland arbeitet daran, seine Verteidigung in der Region zu verbessern, unter anderem durch den Einsatz von Anti-Drohnen-Netzen entlang der Transportwege.