Was Selensky in seinem offenen Brief geschrieben und warum Putin ein Treffen mit Selensky abgelehnt hat

Von Thomas Röper – 9. Juni 2026

Selensky hat Putin einen offenen Brief geschrieben. Der Spiegel berichtet, Selensky habe darin ein Treffen mit Putin zur Beendigung des Krieges vorgeschlagen, aber Putin habe „Gesprächen eine Absage“ erteilt. Was stand in Selenskys Brief und was hat Putin darauf tatsächlich geantwortet?

Am 4. Juni hat der ukrainische Machthaber Selensky einen offenen Brief an den russischen Präsidenten Putin veröffentlicht. Der Spiegel berichtete darüber unter der Überschrift „Rede in Sankt Petersburg – Selenskyj macht ein Angebot – wie reagiert Putin?“ und hat den Lesern des Spiegel den Inhalt des Briefes natürlich verschwiegen, und stattdessen in dem Artikel eine eigene Zusammenfassung des Briefes geschrieben. In der Einleitung des Spiegel-Artikels heißt es:

„Der ukrainische Präsident hat direkte Gespräche mit seinem russischen Kriegsgegner vorgeschlagen, auf neutralem Boden. US-Präsident Trump reagiert wohlwollend. Beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg ist nun Putin am Zug.“

Viel mehr erfahren Spiegel-Leser auch in dem Artikel nicht.

Bei der Podiumsdiskussion des Petersburger Wirtschaftsforums wurde Putin einen Tag später nach dem Brief und seiner Reaktion gefragt. Der Spiegel titelte darüber „Russlands Krieg gegen die Ukraine – Putin lehnt Gespräche mit Selenskyj ab“ und schrieb in der Einleitung des kurzen Artikels:

„Russlands Machthaber hat Gesprächen mit der Ukraine eine Absage erteilt. Selenskyj hatte Putin in einem offenen Brief ein direktes Treffen angeboten.“

Für den Spiegel-Leser ist damit alles klar: Selensky bietet Friedensgespräche an, aber der Kriegstreiber Putin will nicht reden. Aber ist das wirklich so?

Um das zu verstehen, müssen wir uns sowohl Selenskys offenen Brief als auch Putins Antwort anschauen. In diesem Artikel werden wir das tun und ich habe sowohl Selenskys Brief als auch Putins Antwort komplett übersetzt […], aber die Vorgänge kann nur verstehen und beurteilen, wer sich die Originalquellen anschaut, und nicht das, was andere, wie beispielsweise der Spiegel, darüber berichten.

Vorweg nur noch eines: In keinem Krieg der Weltgeschichte wurden Verhandlungen öffentlich oder gar über offene Briefe geführt. Wer ernsthaftes Interesse an Verhandlungen hat, nutzt dafür diplomatische Kanäle. Offene Briefe sind per Definition PR, was bedeutet, dass Selenskys Brief nicht in erster Linie an Putin gerichtet war, sondern an die Öffentlichkeit. Was das über die Ernsthaftigkeit von Selenskys Gesprächsangebot aussagt, kann sich jeder selbst überlegen.

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