Kampf um die Köpfe

Von German-Foreign-Policy.com – 20. Mai 2026

Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen für den „Informationskrieg“ voran. Ziel ist es, „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“.

Die Bundeswehr treibt die Nutzung von Daten und Informationen sowohl für Operationen auf dem Schlachtfeld als auch für klassische Propagandatätigkeiten voran. Erst kürzlich ging mit Active Volcano 2026 ein Manöver zu Ende, bei dem rund 300 Soldaten aus 15 Staaten unter deutschem Kommando den „Informationskrieg“ probten. Es sei unter anderem darum gegangen, durch die Verbreitung von Informationen „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten [zu] beeinflussen“, erläutert die Bundeswehr. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Truppe bei Active Volcano 2025 die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung geprobt, und zwar „von der strategischen Planung über Medienproduktion“ bis hin zu praktisch-taktischen Einflussoperationen. Auch die Wirtschaft wird eingebunden. Der Rüstungskonzern Airbus etwa vermarktet ein „Schulungsmodell für den Informationskrieg“, das „eine komplette Infosphäre simuliert“, sowie digitale Werkzeuge zur „Sammlung und Untersuchung von Inhalten in sozialen Netzwerken; man solle Airbus-Technologie nutzen, um „Desinformation“ bereits an der Quelle zu „neutralisieren“. Unerwünschte Meinungen werden gezielt etwa „prorussisch“ genannt und ausgegrenzt.

Daten als Waffe

Die Bedeutung der, so der Militärjargon, „Dimensionen Cyber- und Informationsraum“ (neben den klassischen Operationsräumen Land, Luft und See) „wächst beständig“, heißt es in der kürzlich auszugsweise veröffentlichten ersten militärischen Gesamtstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik.[1] Im „Kampf um Informationen und Daten“ müsse die deutsche Armee die „Überlegenheit gewinnen und sie dem Gegner verwehren“.[2] Dabei geht es einerseits um die Nutzung von Informationen zwecks klassischer Propaganda, andererseits um die Nutzung von Daten bei Angriffen und in Gefechten. Entsprechende Fähigkeiten seien „ein Hebel für alle anderen“ Teilstreitkräfte, heißt es; Daten würden „zur Waffe“. Datenhoheit auf dem Schlachtfeld könne „über Sieg oder Niederlage entscheiden“. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Krieges sei es schwer, sich einer „Aufklärung in Echtzeit zu entziehen“. Das Gefechtsfeld sei längst „transparent“; es gebe „keine sicheren Rückzugsräume“ mehr. Gleichzeitig finde eine „Entgrenzung des Krieges“ statt: Eine klare Trennung zwischen „Heimat und Gefechtsfeld, zivil und militärisch, … Krieg und Frieden sowie Kombattant und Nicht-Kombattant“ finde nicht mehr statt.

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