Von Peter F. Mayer – 13. Mai 2026

Die NATO in Brüssel und Berlin reden von „gemeinsamer Verteidigung“, „Abschreckung“ und „europäischer Souveränität“. Die wahren Ziele benennt der italienische Publizist Thomas Fazi in seinem aktuellen UnHerd-Artikel: Die NATO ist kein Verteidigungsbündnis, sie ist ein raffinierter Betrug, mit dem die USA Europa finanziell und militärisch ausbluten und gleichzeitig in dauerhafter Abhängigkeit halten.
Es wird erzählt, dass die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen der Trump-Regierung und Politikern wie dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz – ausgelöst durch den andauernden Krieg gegen den Iran – ein echtes „Zurückziehen“ der USA aus Europa signalisieren. Es wird behauptet, dass Deutschlands massive neue Militärstrategie, die darauf abzielt, bis 2035 „Europas stärkste konventionelle Armee“ aufzubauen, ein längst überfälliger Schritt in Richtung strategischer Autonomie sei. Die Wahrheit ist weitaus zynischer: Deutschland rüstet nicht auf, um souverän zu werden; es rüstet auf, um der „oberste Vasall“ innerhalb einer von den USA kontrollierten NATO-Kommandostruktur zu werden.
Unter dem Titel „Die NATO ist ein gefährlicher Betrug – Amerika melkt Europa“ beschreibt Fazi das System: Die USA ziehen sich nicht aus Europa zurück, wie Trump mit seinen Truppenabzügen und Austrittsdrohungen suggeriert. Im Gegenteil. Sie nutzen den Druck lediglich als Hebel, um die Europäer – allen voran Deutschland – dazu zu zwingen, mehr für ihre eigene Unterwerfung zu bezahlen. Die Amerikaner bleiben fest im Kommando der Allianz verankert, während Europa die volle Rechnung für den Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine übernimmt.
Alles muss sich ändern, damit alles beim Alten bleibt
Die Zahlen sprechen für sich: Europa soll bis 2035 bis zu fünf Prozent seines BIP für Rüstung ausgeben. Deutschland plant eine Armee von 460.000 Soldaten inklusive Reservisten, massiven Ausbau von Langstreckenwaffen, KI und Automatisierung. Offiziell heißt es, „NATO muss europäischer werden, um transatlantisch zu bleiben“. In Wahrheit bleibt alles beim Alten – nur dass die Europäer jetzt die Zeche zahlen. Fazi zitiert den Historiker Emmanuel Todd: Vieles, was heute als „Nationalismus“ verkauft wird, ist nichts anderes als vasallenhafte Unterwerfung unter die USA, verkleidet als Souveränität.
Die neue deutsche Militärdoktrin, die ausdrücklich auf eine umfassendere gesellschaftliche Militarisierung abzielt, ist nicht darauf ausgelegt, Berlin von Washington zu entkoppeln. Stattdessen soll sie Deutschland zum primären logistischen und strategischen Dreh- und Angelpunkt der NATO machen – zum unverzichtbaren Knotenpunkt, der die amerikanische Hegemonie aufrechterhält, während die USA ihren Fokus auf den Indopazifik und die westliche Hemisphäre verlagern.