Von Robert Stevens – 8. Mai 2026
Am 29. April kündigte der britische Erste Seelord, Sir Gwyn Jenkins, an, dass die britische Royal Navy den Kern eines neuen multinationalen maritimen Blocks europäischer „Northern Navies“ bilden soll, der sich gegen Russland richtet. Bezeichnenderweise gehören die USA diesem Block nicht an.
Er sprach darüber am Royal United Services Institute (RUSI) im Rahmen des einleitenden Lord-Fisher-Vortrags, benannt nach Admiral Fisher, der eine entscheidende Rolle im britisch-deutschen Marinewettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg spielte. Er erklärte, um das zu ermöglichen, werde Großbritannien eine „hybride“ Flotte aufbauen, die traditionelle Kriegsschiffe mit unbemannten Systemen, Drohnen und KI-gestützten Plattformen kombiniere.
Bei diesem „Paradigmenwechsel“ gehe es darum, die „Masse, Überlebensfähigkeit und Letalität unserer Streitkräfte“ zu erhöhen.
Die Northern Navies würde im Mittelpunkt der Joint Expeditionary Force stehen, ein von Großbritannien angeführter Verband aus zehn europäischen Staaten. Sie wurde im Jahr 2014 gegründet und zu ihr gehören Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Island, die Niederlande, Estland, Lettland und Litauen.
Diese Länder erstrecken sich über Nordeuropa und das Baltikum – die Regionen, die Jenkins als „offene Seegrenze zu Russland“ definierte. Auch Kanada hat Interesse an einer Teilnahme geäußert.
Jenkins verwies auf den Krieg in der Ukraine und den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran und warnte: „Das bloße Aufrechterhalten des ‚leistungsfähigen Status quo‘ ist schlichtweg nicht gut genug.“ Die Times, das Sprachrohr der kriegslüsternsten Elemente des Militärs, zitierte Jenkins mit den Worten: „Die Notwendigkeit aufzurüsten und die Kriegsbereitschaft dieses Landes zu verbessern, ist zur absoluten Notwendigkeit geworden. … Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“
Zuvor wurden die Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer und führende Militärs wegen der Kürzungen bei der Marine in den letzten drei Jahrzehnten und wegen der Tatsache scharf zurechtgewiesen, dass Großbritannien während der Irankrise nur einen einzigen Zerstörer mobilisieren konnte. Dieser wurde zudem nicht in den Persischen Golf geschickt, sondern zum britischen Stützpunkt in Akrotiri.