Russland verweigert Iran erneut S-400-Flugabwehrsystem

Von Bernd Müller – 5. Mai 2026

Moskau lehnt Teherans Forderung nach dem Langstrecken-Luftverteidigungssystem ab – trotz enger Rüstungskooperation und iranischer Drohnenlieferungen an Russland.

Iran und Russland gelten als Freunde und in gewisser Hinsicht auch als Verbündete. Aber es gibt etwas, da scheint die Freundschaft aufzuhören, nämlich beim Flugabwehrsystem S-400. Die Regierung in Teheran hätte das System gern, um seinen Luftraum besser zu schützen, doch Moskau weigert sich seit Jahren, es zu verkaufen.

Seit 2019 weist Russland entsprechende Anfragen aus dem Iran zurück. Und wie Arie Egozi, ein renommierter Journalist aus Israel, der sich bei Themen rund um Sicherheit und Verteidigung einen Namen gemacht hat, bei Defence Network schreibt, hat Moskau auch im Mai 2026 noch keine Lieferung bestätigt.

Gerade im aktuellen Krieg könnte es Teheran gute Dienste leisten. Denn das Langstrecken-System kann Flugzeuge und Raketen in bis zu 400 Kilometern Entfernung und 30 Kilometern Höhe erfassen und zerstören. Es gilt als eines der leistungsfähigsten Flugabwehrsysteme weltweit.

Die Verweigerung steht in deutlichem Kontrast zur sonstigen militärischen Zusammenarbeit beider Staaten. Anfang 2026 gab es laut Egozi Berichte über Vereinbarungen zu Verba-MANPADS (tragbaren Flugabwehrraketen) und Su-35-Kampfjets.

Israels Luftüberlegenheit als rote Linie

Die Gründe für die Ablehnung haben sich seit 2019 kaum verändert, werden aber zunehmend offensichtlicher. Bereits damals wies Präsident Putin iranische Anfragen persönlich zurück – unter Verweis auf die Spannungen in der Golfregion, wie Bloomberg unter Berufung auf zwei russische Beamte berichtete.

Moskau betont laut Egozi die „Übereinstimmung mit den Zielen Israels“. Das S-400 könnte israelische F-35-Stealth-Flugzeuge erfassen und damit die Luftüberlegenheit Israels in der Region gefährden.

Nach Israels Luftangriff auf den Iran im Juni 2025 verschärfte Teheran den Druck. Die Angriffe legten massive Lücken in der iranischen Luftverteidigung offen.

Im April 2026 forderte der iranische Außenminister Abbas Araghchi bei einem Treffen mit Putin in Moskau die Lieferung des Systems, wie Kurdistan24 berichtet. Russland lehnte die Forderung erneut ab.

Türkei und Saudi-Arabien – Moskaus Doppelstandards

Vor diesem Hintergrund wird die russische Position gegenüber Iran zunehmend unglaubwürdig. Denn es sind seine potenziellen Rivalen, die von Moskau beliefert werden.

So stationierte etwa die Türkei im Jahr 2019 ihr erstes S-400-Bataillon, nachdem sie 2017 einen Vertrag über 2,5 Milliarden US-Dollar unterzeichnet hatte – trotz US-Sanktionen und dem Ausschluss aus dem F-35-Programm.

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