Von German-Foreign-Policy.com – 20. April 2026
Deutsch-ukrainische Joint Ventures gehen in Deutschland zur Produktion von Drohnen mit bis zu 1.500 Kilometern Reichweite über; sie reichen weit ins russische Hinterland. Moskau deutet an, die Produktionsstandorte ins Visier zu nehmen.
Die verstärkte Produktion von Drohnen in Deutschland und weiteren Staaten Westeuropas für die Streitkräfte der Ukraine löst russische Drohungen gegen die Standorte aus. In der vergangenen Woche haben mehrere deutsche Firmen die Gründung neuer Joint Ventures mit ukrainischen Drohnenherstellern angekündigt. Unter anderem will das Software-Startup Auterion gemeinsam mit der ukrainischen Airlogix in einem Werk bei München Drohnen herstellen, die eine Reichweite von 1.000 bis 1.500 Kilometern haben. Damit können sie Ziele tief im russischen Hinterland angreifen. Mit derlei Angriffen haben die ukrainischen Streitkräfte Russland zuletzt herbe Schäden zugefügt – so etwa an wichtigen Erdölanlagen. Der deutsche Standort von Airlogix findet sich auf einer Liste von 21 Unternehmen in mehreren Ländern Europas, von denen es heißt, sie zögen mit ihrer Waffenproduktion ihre Standortstaaten „in einen Krieg mit Russland hinein“. Bisher hat bloß die Ukraine Angriffe auf russische Ziele in Drittstaaten geführt – auf Tankschiffe im Mittelmeer. Russland könnte die Praxis nachahmen und ebenso Ziele in Drittstaaten attackieren – etwa Firmen, die Angriffe auf sein Territorium ermöglichen.
Das Silicon Valley der Rüstungsindustrie
Deutsche Drohnenhersteller hatten bereits kurz nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs eine immer enger werdende Kooperation mit den ukrainischen Streitkräften eingeleitet. Zum einen belieferten sie die Ukraine mit ihren Drohnen; zum anderen entwickelten sie einen immer intensiven Kontakt zu Einheiten an der Front, um deren tagesaktuelle Erfahrungen in dem sich in schnellem Tempo wandelnden Drohnenkrieg zu verarbeiten und auf dieser Grundlage, soweit möglich, die eigenen Produkte laufend zu optimieren. Das schuf die Grundlage für die inzwischen rasant boomende deutsche Drohnenindustrie um Unternehmen wie Helsing oder Quantum Systems bzw. den Rüstungsableger von Quantum Systems, Stark Defence. In Fachkreisen war, nicht zuletzt mit Blick auf die Drohnenentwicklung, bereits im vergangenen Jahr davon die Rede, die Ukraine sei längst das „Silicon Valley der Rüstungsindustrie“.[1] Dabei kommt den mit dem Land kooperierenden Rüstungsfirmen, darunter insbesondere auch den Drohnenherstellern, zugute, dass ihre Produkte im Krieg praktisch getestet wurden; sie haben damit einen starken Vorteil in der globalen Konkurrenz der Waffenschmieden.