Von Michael Hollister – 6. April 2026

Folge dem Öl – Teil 2: Wie der Westen sich selbst aus dem Spiel nahm – und wer davon profitiert
Am 1. April 2026 schrieb Donald Trump auf Truth Social: „All of those countries that can’t get fuel because of the Strait of Hormuz – I have a suggestion for you: Number one, buy from the US. We have plenty. And number two, build up some delayed courage, go to the Strait, and just TAKE IT.“ Und ergänzte: „The United States won’t be there to help you anymore.“
Dieser Satz ist kein Affront. Er ist keine Provokation. Er ist eine Zustandsbeschreibung – und Trump weiß das genau. Europa kann nicht. Weder kaufen, was es wirklich braucht, noch hin und holen, was es benötigt. Der erste Teil dieser Serie hat gezeigt, wie die US-Strategie China über Energieentzug einhegt – Venezuela, Iran, Panama als aufeinanderfolgende Schritte einer kohärenten Logik. Dieser zweite Teil zeigt, was mit dem anderen Ende dieser Strategie passiert ist: mit Europa.
Das Ergebnis ist klar. Ob es Plan oder Opportunismus war – das bleibt Aufgabe des Lesers zu beurteilen. Die Fakten sprechen für sich.
1. Der erste Schnitt: Nord Stream und das Ende der russischen Energiebrücke
Europa hat sich über Jahrzehnte auf russisches Erdgas als Rückgrat seiner Energieversorgung verlassen. Nicht aus Naivität, sondern aus ökonomischer Logik: russisches Gas war günstig, zuverlässig und über kurze Leitungswege lieferbar. Die Nord Stream Pipelines – Nord Stream 1 seit 2011 in Betrieb, Nord Stream 2 fertiggestellt aber nie kommerziell genutzt – waren die physische Verkörperung dieser Abhängigkeit. 55 Milliarden Kubikmeter Kapazität pro Jahr. Für Deutschland allein.
Im September 2022 wurden beide Pipelines gesprengt. Drei von vier Strängen zerstört, einer beschädigt. Es war der größte Angriff auf kritische Energieinfrastruktur in der Geschichte Europas in Friedenszeiten.
Wer es getan hat, ist juristisch nicht abschließend geklärt. Was dagegen klar ist: Das Ergebnis. Europa erhält kein russisches Gas mehr über diese Route. Und Russland, sanktioniert mit über 20 EU-Sanktionspaketen, hat seine Energieexporte konsequent nach Asien umgeleitet – nach China, Indien, in den Globalen Süden. Der Weg zurück ist politisch auf absehbare Zeit verbaut.
Die Konsequenzen für Europa sind messbar. Die Energiepreise explodierten 2022–2023 auf das Drei- bis Vierfache des Vorkriegsniveaus. Die Industrie – insbesondere die deutsche, die auf günstiger Energie als Wettbewerbsvorteil aufgebaut war – begann systematisch abzuwandern. BASF, der größte Chemiekonzern der Welt mit Stammsitz in Ludwigshafen, hat seine Produktion in China massiv ausgebaut. Was dort bleibt, ist zunehmend nur noch Verwaltung. Volkswagen schließt Werke in Deutschland. Die Chemieindustrie insgesamt – 45 Prozent des deutschen Industrieverbrauchs entfällt auf Erdgas – steht vor einer Standortfrage, die keine politische Rede beantwortet.
Energieversorgungsweg Ost: gekappt.