von Jochen Mitschka – 4. April 2026

Während der Iran die USA immer weiter auffordert, doch endlich die Bodenoffensive zu beginnen, fragen sich Experten, ob das Land Pläne hat, in dem Fall seinerseits eine Bodenoffensive der gegenüberliegenden Küstenregion am Golf zu unternehmen.
Die Diskussion dreht sich vor allem um iranische Drohungen, die von Analysten aufgegriffen und analysiert werden. Ein zentraler Fall ist der iranische Sicherheits- und Analyst Morteza Simiari (auch Simiari), der auf dem staatlichen Sender IRIB (Iranian State Television) explizit warnte:
„Wenn die USA einen Fehler machen und Bodentruppen einsetzen, sind die iranischen Streitkräfte bereit, die Küsten von Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu besetzen. Der Einmarsch an den Küsten der UAE und Bahrains steht auf der Agenda und würde die regionale Lage grundlegend verändern.“
Diese Aussage wird als direkte Reaktion auf Spekulationen über eine US-Bodeninvasion (z. B. zur Einnahme von Kharg Island oder anderen Zielen) gesehen und soll die die Golfstaaten abschrecken, die USA stärker zu unterstützen.
Die Einschätzung von Experten
Militärische Analysten (z. B. in Berichten und Video-Analysen zu den IRIB-Äußerungen) sprechen offen darüber, dass eine iranische Küsten- oder Amphibienoperation gegen die UAE/Bahrain zwar strategisch angedroht wird, aber logistisch extrem unwahrscheinlich sei: Iran fehle die nötige Luft- und Seestärke für eine großangelegte Bodeninvasion über den Golf, und die Golfmonarchien hätten US-Unterstützung sowie moderne Luftabwehr. Sie bewerten es daher primär als psychologische Kriegsführung und Abschreckung, um die USA von Bodentruppen abzuhalten und die Golfstaaten (insbesondere UAE) zu warnen, nicht tiefer in den Konflikt einzusteigen.
Trita Parsi (bekannter Iran-Experte und Gründer des Quincy Institute) thematisiert diese Drohungen in Interviews und Analysen zur laufenden Krise. Er erklärt, dass Iran historisch schon mit Invasionen von Dubai/Abu Dhabi gedroht habe, falls die Emirate offen in den Krieg eintreten. Parsi sieht darin eine mögliche Gegeneskalation (u. a. mit Booten und Truppen), betont aber auch die hohen Risiken und dass eine US-Bodeninvasion für alle Seiten ein „Lose-Lose“-Szenario wäre. Er ordnet es in Irans Strategie ein, die Golfmonarchien von einer Beteiligung abzuschrecken.
Das nicht berücksichtige Szenario
Was in diesen Analysen immer angenommen wird ist eine Invasion über das Wasser. Niemand hält es für notwendig eine Invasion über die Landverbindung mit dem Irak in Betracht zu ziehen. Das könnte schon alleine für den Iran sinnvoll sein, um im Fall einer Invasion die feindlichen angreifenden Kräfte zwingen, sich zu aufzuteilen, und nicht in voller Macht vorzudringen. Noch drastischer wäre die Auswirkung, wenn die Gegenangriffe im Fall einer Invasion gleich an mehreren Fronten erfolgen würden. Am Ende ging es gar nicht um die „Eroberung“ von Bahrain, Kuwait oder Katar, sondern darum, möglichst die Angreifer zu zerstreuen und so viel Zerstörung wie möglich zu verursachen.
Bild: Wikipedia