Die „Hormus-Falle“: Energieschock und Umverteilung des Marktes?

Von Irina Gaida (Übersetzung: Thomas Röper) – 3. April 2026

Die Lage an der Straße von Hormus wird nicht nur die weltweiten Energiemärkte verändern. Wie stark diese Veränderungen werden, hängt von der Dauer des Krieges ab. Wer werden danach die Gewinner, wer die Verlierer sein?

Eine Expertin hat für die TASS einen lesenswerten Artikel über die kommenden Veränderungen der weltweiten Energiemärkte und ihre Folgen geschrieben, den ich übersetzt habe. [,,,]

Die „Hormus-Falle“: Energieschock und Umverteilung des Marktes?

Irina Gaida, Dozentin an der Fakultät für Geographie und Geoinformations-technologien der Nationalen Forschungsuniversität für Wirtschaft, erörtert die möglichen Folgen für die Welt in verschiedenen Szenarien des Nahostkonflikts.

Die Straße von Hormus ist längst nicht mehr nur ein „Flaschenhals“ in der globalen Logistik, sie ist ein Dolchstoß ins Herz der globalen Energieversorgung und möglicherweise der gesamten Wirtschaft. Die einst täglich 150 Tanker werden heute typischerweise durch ein bis zwei Dutzend Schiffe pro Tag ersetzt – zu horrenden Preisen. Offiziell ist das Meer offen, doch in Wirklichkeit ist es fast vollständig blockiert.

Der Iran setzt als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels systematisch asymmetrische Kriegsführung ein: Angriffe auf die Infrastruktur in den Ländern des Persischen Golfs und einen „Tankerkrieg“, der an die 1980er-Jahre erinnert, nur dass heute Drohnen und Cyberangriffe zum Einsatz kommen. All dies geschieht in einer Situation, in der Umleitungsrouten die Umleitung von lediglich etwa 25 Prozent des Öls und weniger als 10 Prozent des Gases ermöglichen.

Für den Ölmarkt, der in den letzten zehn Jahren viel erlebt hat, ist die Lage äußerst schwierig. Die Unterbrechung der Ströme führt zu einem Förderausfall von rund 16 Millionen Barrel pro Tag. Zusätzliche Fördermengen in anderen Regionen, strategische und kommerzielle Reserven verschiedener Länder sowie die bis Ende 2025 angesammelten „schwimmenden Reserven“ in Tankern können dieses Defizit nicht ausgleichen, sollte der Konflikt länger als 60 bis 100 Tage andauern. China und die USA, die über die größten Reserven verfügen, werden dem Schutz ihrer Verbraucher und der Schonung ihrer strategischen Reserven Priorität einräumen. Unklar ist zudem, wo die technische Grenze für die Erschöpfung der Reserven liegt, denn nie zuvor mussten mehr als ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag ausgeglichen werden. Insgesamt könnte ein Angebotsdefizit von eine bis fünf Millionen Barrel pro Tag entstehen. Die Folge werden steigende Preise, sinkende Nachfrage und der Beginn einer zwar „milden“, aber dennoch realen globalen Rezession sein.

Die Ölpreise haben ihre Höchststände von 2022 noch nicht erreicht, was wahrscheinlich das Vertrauen des Marktes in eine schnelle und schmerzlose Lösung des Konflikts widerspiegelt. Sollte das jedoch nicht passieren, könnte ein Preisanstieg auf 150–200 US-Dollar pro Barrel bevorstehen.

Beim Gas, insbesondere LNG, ist die Lage noch schlechter, da zusätzlich zu den Blockaden auch die Produktionsinfrastruktur beschädigt wurde. Die Anlage in Katar (die weltweit größte LNG-Produktionsanlage) wurde aufgrund der Zerstörung zweier ihrer 14 Produktionslinien stillgelegt. Katar hat bereits höhere Gewalt für wichtige Verträge mit Italien, Belgien, Südkorea und China geltend gemacht. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben die LNG-Exporte aufgrund der Unmöglichkeit der Durchfahrt durch die Meerenge praktisch eingestellt. Israel hat die Produktion auf seinen Feldern ausgesetzt, was bereits zur Einstellung der Stickstoffdüngerproduktion in Ägypten geführt hat. Die Frachtraten für LNG-Tanker sind um etwa 600 Prozent gestiegen, während die Versicherungsprämien von 0,25 auf drei Prozent des Schiffswertes gestiegen sind.

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