Donald Trump: einsam und unter Zugzwang

Von Ralph Bossard – 1. April 2026

Schon hat US-Präsident Donald Trump US-amerikanischen Zeitungen – und implizit auch jedem Anderen, der nicht die angeblichen Erfolge der US-Streitkräfte im Iran preist – als Verräter gebrandmarkt und damit mit rechtlichen Konsequenzen gedroht (1). Allerdings ist die aktuelle Skepsis kaum verwunderlich angesichts der Aussagen Trumps vom Sommer vergangenen Jahres, als er einen schnellen und triumphalen Sieg über den Iran und die Zerstörung des iranischen Nuklearpotenzials verkündete. Der damalige Fehlschlag und die ausbleibenden Erfolge in den letzten Wochen zwingen nun das US-Kriegsministerium offenbar, eine Bodenoperation ins Auge zu fassen. 

Wer glaubt ihm noch, dem Präsidenten der USA, der weltstärksten Militärmacht, wenn er dreimal am Tag seine Meinung ändert und Neues ankündigt. Was aber sicher ist: Seine Chancen, im Iran die Uran-Anlagen zu zerstören, sind nicht gut. Vielleicht hat er das sogar begriffen. (cm)

Mittlerweile sind zwei Marine Amphibious Units MAU der US-Marineinfanterie bestimmt worden, die an einer Bodenoperation teilnehmen sollen. Während niemand bezweifelt, dass es sich dabei um gründlich ausgebildete und bestens ausgerüstete Soldaten handelt, lässt ihre begrenzte Anzahl auf keine groß angelegte Operation schließen, denn die Landkomponente einer MAU besteht aus einem verstärkten Infanterie-Bataillon. Ausgerüstet mit Rad-Schützenpanzern besitzt so ein Verband gegen einen Gegner, der über Panzer und moderne Panzerabwehrwaffen verfügt, nur eine begrenzte Durchsetzungskraft (2). Dazu kommen noch Fallschirmjäger der 82. US-Luftlandedivision (3). Selbst wenn es diesen Kräften gelingen sollte, eine der Inseln in der Straße von Hormuz zu besetzen oder einen Brückenkopf an der Nordküste des Persischen Golfs zu errichten, bleibt es fraglich, ob Donald Trump das Ziel der Öffnung der Straße von Hormuz für westliche Schiffe erreichen wird. Damit würde er lediglich dasjenige Problem, das erst durch seinen Angriff auf den Iran entstanden ist, lösen, nicht aber jenes, welches ihn überhaupt erst zu einem Angriff auf den Iran veranlasste, nämlich die Liquidation des iranischen Nuklearwaffen-Programms.  

Das Uran in den Bergen

Der Iran soll derzeit circa 440 kg hoch angereichertes Uran besitzen, d.h. solches von über 60% Gehalt an waffenfähigem Material, sowie mehrere Tonnen von niedrig angereichertem Uran.  Lagerort und aktueller Zustand des Materials sind nur teilweise bekannt (4). Wenn Donald Trump das Nuklearwaffen-Programm des Irans auf Jahre hinaus stoppen will, dann muss er dessen Vorräte an angereichertem Uran vernichten oder unter seine Kontrolle bringen (5). Schon vor dem US-amerikanischen Bombardement im vergangenen Juni waren die Iraner gewarnt gewesen und hatten mehrere Wochen Zeit gehabt, um ihr Uran vor fremdem Zugriff zu schützen. Zu diesem Zweck konnten sie entweder einen einzigen Lagerort mit höchsten Sicherheitsmaßnahmen bestimmen, oder die Vorräte auf mehrere Orte verteilen. Möglicherweise haben sie in den vergangenen Monaten beides getan. Im ungünstigsten Fall müssen die Planer im Pentagon folglich davon ausgehen, dass das iranische Uran an mehreren, gut geschützten Orten eingelagert ist. Damit werden gleichzeitig mehrere Aktionen mit Truppen notwendig, welche in die Lager eindringen und das Uran entweder mitnehmen oder unbrauchbar machen müssen. Zuvor müssen sie die Wachmannschaften niederkämpfen und während laufender Aktion eine Intervention von Eingreifverbänden abwehren. 

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