Warum die USA entschieden, ihre De-facto-Blockade Kubas nicht gegen Russland durchzusetzen

Von Andrew Korybko – 31. März 2026

Trump bescherte Putin einen Sieg im Bereich der Soft Power, der ihm tosenden Applaus von der Mehrheit der Weltbevölkerung einbrachte.

Trump lehnte es ab, die De-facto-Blockade der USA gegen Kuba gegen einen russischen Öltanker durchzusetzen, der genug Treibstoff geladen hatte, um den Bedarf der Insel für etwa eine Woche zu decken. Mit seinen Worten: „Es macht uns nichts aus, wenn jemand eine Ladung Öl bekommt, denn die Menschen müssen überleben. Wenn ein Land gerade jetzt etwas Öl nach Kuba schicken will, habe ich kein Problem damit. Ich lasse es lieber rein, egal ob es Russland ist oder jemand anderes, denn die Menschen brauchen Heizung und Kühlung und all die anderen Dinge, die man braucht.“ Dafür gibt es fünf Gründe:

1. Eine mögliche Eskalation mit Russland verhindern

Der Öltanker, der gerade in Russland eingetroffen ist, ist ein echter russischer Tanker und kein Schiff eines anderen Landes, das plötzlich beschlossen hat, die russische Flagge zu hissen, als der Westen Druck auf es ausübte – so wie es Mitglieder seiner sogenannten „Schattenflotte“ in den letzten Monaten getan haben, bevor sie beschlagnahmt wurden. Trump könnte daher kalkuliert haben, dass Putin die Spannungen möglicherweise eskalieren lassen würde, wenn er die Beschlagnahmung genehmigt hätte, was den USA Unannehmlichkeiten bereiten würde, während sie in den von ihnen gemeinsam mit Israel begonnenen Dritten Golfkrieg verwickelt sind – folglich einer der wahrscheinlichen Gründe, warum er es durchgehen ließ.

2. Putin umstimmen, um die Gespräche am Laufen zu halten

Ein weiterer Grund könnte gewesen sein, dies als Geste des guten Willens darzustellen, um Putin zu besänftigen und die ins Stocken geratenen Gespräche fortzusetzen, angesichts der wachsenden Skepsis gegenüber Trumps Absichten, wie sie Außenminister Sergej Lawrow und russische Experten zum Ausdruck gebracht haben. Indem Trump Putin etwas gibt, das dieser als Soft-Power-Erfolg ausgeben kann – einen, der ihm zudem tosenden Beifall von der Mehrheit der Weltbevölkerung einbringt –, könnte Trump dem russischen Präsidenten zu verstehen geben, dass er ihm gegenüber tatsächlich gute Absichten hat.

3. Eine ausgewachsene humanitäre Krise verhindern

Es besteht kein Zweifel daran, dass die faktische Blockade Kubas durch die USA bereits zu einer humanitären Krise geführt hat. Einem russischen Tanker die Erlaubnis zu erteilen, die Insel mit Treibstoff für etwa eine Woche zu versorgen, könnte auch darauf abgezielt haben, eine eskalierende humanitäre Krise zu verhindern, die auf Florida hätte übergreifen können. Dies lässt sich aus Trumps zuvor zitierten Worten ableiten. Im Grunde genommen könnten die USA aus diesem Grund beschlossen haben, Kuba den Import seines minimalen Ölbedarfs zu gestatten, wodurch die Krise aus ihrer Sicht beherrschbar bleibt.

4. Die Regierung belohnen oder Anreize schaffen

Ein weiterer Grund, warum die USA Russland die Durchbrechung ihrer De-facto-Blockade gegen Kuba gestattet haben, könnte darin bestanden haben, die Regierung in Moskau für etwaige Zugeständnisse zu belohnen, die sie womöglich während der laufenden Gespräche gemacht hat, oder möglicherweise Anreize für solche Zugeständnisse zu schaffen, falls diese noch nicht gemacht wurden. Wie hier erläutert wurde: „‚Regime Tweaking‘ in Kuba ist das realistischste Ergebnis der von den USA ausgelösten Krise“, was sich auf politische Veränderungen bezieht, die die bestehende Machtstruktur grundsätzlich beibehalten. Dieses Ziel könnte daher näher an der Verwirklichung sein, als vielen Beobachtern bewusst ist.

5. TACO („Trump Always Chickens Out“)

Es ist auch möglich, dass Trump „kalte Füße bekam“, nachdem Putin seinen vermeintlichen „Bluff“ bezüglich der De-facto-Blockade Kubas durchschaut hatte. Sicherlich bekommt er nicht „immer kalte Füße“, da die USA gerade zusammen mit Israel den Iran bombardieren, obwohl dieser Angriffskrieg das Risiko eines Rückschlags für ihre hegemonialen Interesen birgt. Allerdings könnte Russland den USA noch mehr Schaden zufügen als der Iran als der Iran mit seinen Vergeltungsschlägen. So hat Trump vielleicht entschieden, Putin nicht auf die Probe zu stellen, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Von allen Gründen, warum Trump Russland die Blockade durchbrechen ließ, ist dieser zwar der am wenigsten überzeugende, aber er wird wahrscheinlich bei vielen Anklang finden.

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Alles in allem trägt die Entscheidung der USA, ihre De-facto-Blockade gegen Kuba zugunsten Russlands nicht durchzusetzen, dazu bei, die von Washington selbst verursachte humanitäre Krise dort zu lindern. Trump verschaffte Putin zudem einen Soft-Power-Sieg, der ihm auf Kosten der USA tosenden Applaus von der Weltmehrheit einbrachte, sodass diese Entscheidung definitiv mit immateriellen Kosten verbunden war. Dennoch kontrollieren die USA weiterhin die Dynamik der humanitären Krise in Kuba, und diese wird nur nach Trumps Gutdünken gelindert werden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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