Regime Change im Iran: Wie die CIA den Sturz Mossadeghs betrieb*

Von Alexander Bahar – 30. März 2026

Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir einen Artikel erneut, der erstmals vor fast 20 Jahren (am 22.08.2006) auf dieser Seite veröffentlicht wurde. Das iranische Mullah-Regime, vermeintliche Ausgeburt alles Bösen, dessen angebliches Streben nach Atomwaffen als ideologische Begründung für den unprovozierten US-israelischen Angriffskrieg herhalten muss, ist Ergebnis einer Entwicklung, die durch den Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Mohammed Mossadegh im Jahr 1953 ermöglicht und eingeleitet wurde. Inzwischen freigegebene Dokumente zeigen, dass der britische Auslandsgeheimdienst SIS bzw. MI6 beim Sturz Mossadeghs eine noch größere Rolle spielte, als in dem Artikel dargestellt. Das ändert jedoch nichts an der grundsätzlich richtigen Darstellung und Einschätzung der damaligen Ereignisse in dem Beitrag.(ab)

Am 19. August 1953 stürzten Offiziere der iranischen Armee die demokratisch gewählte Regierung unter Ministerpräsident Mohammed Mossadegh. Vorbereitet und inszeniert hatte den Militärputsch die CIA. Der Coup, der den gestürzten Schah wieder an die Macht brachte, war der erste in einer langen Kette von regime changes, bei denen der US-Geheimdienst seine schmutzigen Finger im Spiel hatte.

„Ich verdanke meinen Thron Gott, meinem Volk, meiner Armee – und Ihnen“, versicherte Schah Reza Pahlawi dem amerikanischen CIA-Agenten Kermit Roosevelt, als er am 22. August 1953 aus nur kurzem Exil nach Teheran zurückgekehrt war. Letzteres zumindest entsprach der Wahrheit, denn der Empfänger der kaiserlichen Dankesworte, ein Enkel des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt, war einer der Drahtzieher des Coups, der zum Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh geführt und den käuflichen Monarchen zum mächtigsten Mann im Staat gemacht hatte. Mit der Rückkehr des Schahs auf den Thron wurde die soeben eingeleitete Entwicklung des Iran von einem feudalen, halbkolonialen Agrarstaat hin zu einer aufgeklärten und laizistischen Industrienation jäh abgeschnitten. Er bedeutete das Ende der iranischen Demokratie und den Beginn eines Regimes, das sich, gestützt von der „freien Welt“, auf Folter und Mord gründete. 

Öl: Dreh- und Angelpunkt Öl der jüngeren iranischen Geschichte

Seit ihren Anfängen 1901 lag die Ölförderung in Südpersien in britischer Hand. Zwischen der 1909 gegründeten Anglo-Persian Oil Company (seit 1935: Anglo-Iranian Oil Company, AIOC, später umbenannt in BP) und der iranischen Regierung kam es immer wieder zu Streitigkeiten, u.a. weil der iranische Gewinnanteil nie korrekt berechnet und in voller Höhe ausgezahlt wurde. Ein 1933 unter Schah Reza Khan Pahlavi, einem früheren Kosakenoffizier, ausgehandelter Vertrag stellte zwar das Land materiell etwas besser, konsolidierte jedoch die Position der Briten. Seine strategisch günstige geographische Lage und die gestiegene Bedeutung des Öls in Kriegszeiten veranlassten die Alliierten 1941 das Land zu besetzen. Schah Reza Khan, der mit Hitler sympathisiert hatte, wurde zur Abdankung gezwungen und durch seinen Sohn Mohammed Reza ersetzt. Vermittels ihrer Aktienmehrheit an der AIOC, dem größten Konzern auf iranischem Staatsgebiet, behielten die Briten auch nach dem Zweiten Weltkrieg die Kontrolle über die iranischen Ölfelder. Im Verhältnis zum Gewinn, den die AIOC mit der Ausbeutung des iranischen Öls machte, war der Teil der Rendite, der an den Iran als Konzessionsgeber zurückfloss, verschwindend gering. Allein im Jahr 1950 erzielte die Gesellschaft einen Profit von 180-200 Mio. Pfund. Davon erhielt der Iran gerade einmal 16 Mio. Pfund, also nur knapp neun Prozent, als Anteil und Steuern. Während die Briten Milliarden Einkünfte aus dem iranischen Erdöl verzeichneten, fehlten dem Land wichtige finanzielle Mittel für die Entwicklung, und der Großteil der Iraner vegetierte am Existenzminimum dahin. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Ausplünderung ihres Landes durch die Briten wurde daher immer lauter, zumal sich die AIOC in Verhandlungen strikt weigerte, seine Gewinne aus dem Ölgeschäft in dem von iranischer Seite gefordertem Umfang zu teilen.            

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