„Unser Bild vom Iran ist das Ergebnis von über 40 Jahren US-amerikanischer Desinformation“

Interview mit Jacques Baud* – Interview: Zeitgeschehen im Focus – 17. März 2026 (ZiF 5/6)

Zeitgeschehen im Fokus Die Gründe für den Angriff Israels und der USA auf den Iran reichen von „den Bau der Atombombe verhindern“, bis zu einem „Regime Change“. Was wollen Israel und die USA tatsächlich erreichen?

Jacques Baud Es gibt viele Gründe, die auf komplexe Weise miteinander verbunden sind. Um dies zu verstehen, muss man wahrscheinlich zwischen den tieferen Gründen und den Vorwänden unterscheiden.

In den USA gibt es eindeutig eine Obsession gegenüber dem Iran, die sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten zu finden ist und die mit der islamischen Revolution von Ayatollah Khomeini im Jahr 1979 begann. Die Amerikaner haben den Sturz des Schahs und – vor allem – die Besetzung ihrer Botschaft in Teheran durch iranische Studenten und den darauf folgenden katastrophalen Rettungsversuch durch Spezialeinheiten im April 1980 (Operation EAGLE CLAW) nicht verziehen.

Bei Israel ist dieses Phänomen jüngeren Datums und geht auf die frühen 2000er Jahre zurück, als die USA 2003 in den Irak einmarschierten. Die israelische Sicherheitspolitik wird von dem 1982 von Oded Yinon ausgearbeiteten Plan beeinflusst, der darauf abzielte, die großen sunnitischen Nachbarländer Israels zu spalten, damit sie durch interne Konflikte gelähmt würden.

In den 1980er- und 1990er-Jahren war der Feind Israels der Irak, der enge Beziehungen zur PLO von Yassir Arafat unterhielt. Zu dieser Zeit war der Iran nicht Teil dieses Plans, da Israel ihn eher als Verbündeten betrachtete. Der Iran ist das große schiitische Land der Region, und Israel betrachtete ihn daher eher als Verbündeten, der geografisch gesehen im „Rücken“ seiner sunnitischen Gegner liegt.

Israel ist für sein Überleben stark vom Westen abhängig. Es ist ihm nie wirklich gelungen, sich in sein regionales Umfeld zu integrieren. Seine wiederholten Militäroperationen gegen alle seine Nachbarn sowie seine illegalen Gebietserwerbungen im Libanon, in Syrien und Jordanien haben zusammen mit der Missachtung internationaler Konventionen in Bezug auf das palästinensische Volk dazu geführt, dass Israel von seinem natürlichen Umfeld abgekoppelt ist.

Andererseits braucht Israel Feinde, um seine sehr vielfältige nationale Einheit und die internationale Finanzhilfe aufrechtzuerhalten. Nachdem der Irak zerstört worden war, wählte Israel denselben „besten Feind“ wie die USA: den Iran.

Seitdem spricht Israel von der nuklearen Bedrohung durch den Iran. Historisch gesehen gibt es jedoch keine Streitigkeiten zwischen dem Iran und Israel: Es gibt keine territorialen Ansprüche, keine wirtschaftlichen Rivalitäten und die jüdische Minderheit wird im Iran gut behandelt. Es gibt also keinen objektiven Konflikt zwischen den beiden Ländern.

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