Oscar-Verleihung in angespannter internationaler Lage

Von David Walsh – 15. März 2026

In der Nacht von Sonntag auf Montag findet im Dolby Theatre in Los Angeles die 98. Verleihung der Academy Awards (Oscar) statt. In 24 Kategorien werden Preise vergeben. Angesichts der Geschichte und Bedeutung des Filmschaffens in den USA hat die Oscar-Verleihung weiterhin politische und kulturelle Bedeutung, auch wenn die Zuschauerzahlen in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind.

Wie üblich gibt es zahlreiche Spekulationen und Prognosen darüber, welcher der häufiger nominierten Filme – One Battle After Another, Blood & Sinners, Sentimental Value, Marty Supreme oder Frankenstein – die Verleihung der Preise dominieren wird.

Paul Thomas Andersons durchwachsener Film One Battle After Another enthält eindrucksvolle Szenen, die den Kurs des amerikanischen Establishments in Richtung brutale autoritäre Herrschaftsformen offenlegen und das Militär und die Einwanderungs-Gestapo ICE anprangern. Hauptsächlich deshalb hat er beträchtliche Aufmerksamkeit und Interesse geweckt. The Secret Agent aus Brasilien befasst sich mit Diktatur und Faschismus. Bugonia zeigt – zumindest bevor der Film aus dem Ruder läuft – Sequenzen, die auf das Elend und die Verzweiflung eines Großteils der amerikanischen Bevölkerung hinweisen.

Andererseits äußert sich der Hollywood-typische, starke Einfluss von Identitätspolitik in der Rekordzahl von Nominierungen für Blood & Sinners und in der Unterstützung für Marty Supreme. Zudem gibt es immer ein Publikum für Dramen voller Selbstbezogenheit und sogar Selbstmitleid, die eine Abkehr von der Welt propagieren und behaupten, alles würde vom Privatleben oder familiären Beziehungen abhängen. Dazu gehören etwa Sentimental Values und Hamnet (man könnte noch If I Had Legs I’d Kick You hinzufügen, für den Rose Byrne nominiert ist). Der visuell fesselnde Film Frankenstein weist ebenfalls Elemente dieser Tendenz auf, während F1 nur aus Bombast und Lärm und Song Sung Blue weitgehend aus Trivialitäten besteht. Train Dreams ist undurchsichtig, düster und ziellos, mit bedauerlichen Anklängen an Terrence Malick und Heidegger aus zweiter Hand, ein wirrer „Kunstfilm“, wie der französische Sirāt, der in der Kategorie „bester internationaler Film“ nominiert ist.

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