„Eine inakzeptable Aggression“

Von German-Foreign-Policy.com – 10. März 2026

Aus den inneren Machtzirkeln der Vereinigten Arabischen Emirate werden schwere Vorwürfe gegen die USA wegen des Iran-Kriegs laut. Europäische Staaten forcieren eine eigenständige Machtpolitik in Mittelost.

Vorwürfe aus den inneren Machtzirkeln der Vereinigten Arabischen Emirate gegenüber den USA werfen ein Schlaglicht auf die Positionierung der europäischen Staaten im Iran-Krieg. Bereits in der vergangenen Woche kritisierte der emiratische Milliardär Khalaf Ahmad al Habtoor mit Blick auf Schäden, die iranischer Beschuss in seinem Land verursacht, die Trump-Administration habe die Länder der Arabischen Halbinsel „ins Zentrum einer Gefahr“ gebracht, „die sie nicht gewählt haben“: „Wer hat Ihnen die Erlaubnis gegeben, unsere Region in ein Schlachtfeld zu verwandeln?“ Die Emirate seien trotz der erwähnten Schäden nicht bereit, in den Krieg gegen Iran einzutreten. Letzteres bestätigen nicht namentlich genannte Regierungsmitarbeiter aus den Emiraten, die erklären, in der Zeit nach dem Krieg werde man einen neuen Ausgleich mit Teheran suchen. Al Habtoor, dem emiratischen Machtzentrum nahestehend, hält in Richtung USA fest: „Wir brauchen euren Schutz nicht.“ Paris, sich als Alternative zu Washington inszenierend, hat sich in den Emiraten an der Abwehr iranischen Beschusses beteiligt und entsendet nun weitere Kriegsschiffe in die Region. Bundeskanzler Friedrich Merz geht vorsichtig auf Distanz zu Washington.

Auf der Suche nach Stabilität

Der Iran-Krieg hat die Staaten der Arabischen Halbinsel in ein strategisches Dilemma gestürzt. Sie sind dabei, sich auf die postfossile Ära vorzubereiten, und arbeiten daher am Aufbau eigener High-Tech-Industrien. Dazu benötigen sie in jeder Hinsicht Stabilität. Dies hat sie in den vergangenen Jahren veranlasst, ihre Beziehungen zu Iran systematisch zu verbessern. Ziel war es, einen wenn schon nicht konflikt-, so doch wenigstens kriegsfreien Mittleren Osten zu schaffen, der die erforderliche Stabilität garantieren könnte. Dabei griffen Saudi-Arabien und Iran, die beiden wichtigsten Mächte in der Region, spätestens seit 2023 unter anderem auf politische Vermittlung durch China zurück (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Das Bemühen um Ausgleich überstand schwere Erschütterungen, die sich aus dem Gaza-Krieg ergaben. Vor Beginn des Iran-Kriegs waren die arabischen Golfstaaten bis zuletzt bemüht, die USA vom Überfall auf das Land abzuhalten. Gleichzeitig gaben sie bekannt, ihren Luftraum nicht für Angriffsoperationen zur Verfügung zu stellen. Saudi-Arabiens De-facto-Machthaber Muhammad bin Salman etwa bestätigte Ende Januar mit Blick auf die offen zutage liegenden US-Kriegspläne, aus Sicht Riads sei jegliche „Aggression“ gegen Iran „inakzeptabel“.[2]

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