Von German-ForeignPolicy.com – 8. März 2026
Europas große NATO-Staaten entsenden Truppen nach Nah- und Mittelost – vorläufig, um iranische Drohnen und Raketen abzufangen. Merz warnt vor Massenflucht aus Iran, sollten die USA und Israel das Land in einen Bürgerkrieg stürzen.
Mit der Entsendung von Truppen in den Nahen und Mittleren Osten und mit der Freigabe von Militärstützpunkten für US-Kampfjets unterstützen Deutschland und weitere NATO-Staaten Europas den Krieg der USA und Israels gegen Iran. Zu den Stützpunkten, die die US-Streitkräfte nutzen dürfen, zählt die Militärbasis Ramstein. Dass die Bundesregierung dies erlaube, breche internationales Recht, betonen Experten. Großbritannien und Frankreich wollen Flugzeugträger in das Östliche Mittelmeer oder sogar an den Persischen Golf schicken; die Niederlande, Spanien und Griechenland entsenden Fregatten. Ziel ist es vorläufig, Drohnen und Raketen aus Iran abzufangen und vor allem das EU-Mitglied Zypern zu schützen; damit halten Europas NATO-Staaten den USA und Israel den Rücken frei. Bundeskanzler Friedrich Merz dringt gleichzeitig auf ein baldiges Kriegsende. Gründe sind die Sorge um die Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen – darunter Öl und Gas – sowie die Furcht vor einer Flucht zahlreicher Iraner nach Europa, falls das Land in einem blutigen Bürgerkrieg versinkt. Einen Bürgerkrieg auszulösen ist eine der Strategien, die die USA und Israel zu realisieren drohen.
„Defensiv“ angreifen
Der europäische Staat, der sich zur Zeit am stärksten am Krieg der USA und Israels gegen Iran beteiligt, ist Großbritannien. Hatte Premierminister Keir Starmer zu Beginn des Krieges noch erklärt, US-Militärflugzeuge dürften britische Luftwaffenstützpunkte nicht für Angriffe auf Iran nutzen, so hat er sie mittlerweile freigegeben. Offiziell ist dies mit der grotesken Einschränkung erfolgt, erlaubt seien nur vorgeblich defensive Aktionen, etwa die Zerstörung iranischer Raketenstellungen. Was daran defensiv sein soll, Stellungen in einem fremden Staat zu bombardieren, ist ebensowenig ersichtlich wie die Frage, wie Starmer die US-Flüge von britischen Basen aus kontrollieren will.[1] Darüber hinaus fangen britische Kampfjets nach Kräften iranische Drohnen und Raketen ab und halten den USA und Israel so den Rücken für ihre Angriffsflüge frei. Am Samstag hat London vier zusätzliche Kampfjets nach Qatar entsandt.[2] Am morgigen Dienstag soll ein auf Flugabwehr spezialisierter Zerstörer der britischen Marine nach Zypern aufbrechen. Angekündigt, aber noch nicht förmlich beschlossen ist die rasche Entsendung des Flugzeugträgers HMS Prince of Wales.[3] Ende vergangener Woche äußerte Vizepremierminister David Lammy, künftig seien auch britische Angriffe auf Irans Raketenstellungen nicht auszuschließen.[4]