Von Andrew Korybko – 16. Februar 2026

Eine Aufforderung zum Rückzug würde die potenziell unkontrollierbare Verbreitung von Atomwaffen in der Welt nach dem Ende des New-START-Vertrags verhindern, während die stillschweigende Akzeptanz einer möglichen Unterstützung durch Frankreich, geschweige denn eine direkte Hilfe für Polen bei der Entwicklung von Atomwaffen, das ohnehin schon gefährliche Sicherheitsdilemma zwischen der NATO und Russland radikal verschärfen könnte.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki erklärte kürzlich gegenüber Polsat News, er sei „ein großer Befürworter des Beitritts Polens zum Atomprojekt. Dieser Weg, unter Einhaltung aller internationalen Vorschriften, ist der Weg, den wir einschlagen sollten. (…) Wir müssen in diese Richtung handeln, damit wir mit der Arbeit beginnen können.” Obwohl er sich nicht sicher sei, ob die Regierung tatsächlich in diese Richtung handeln wwerde, fügte er hinzu, dass Polen zumindest sein „nukleares Potenzial” ausbauen sollte, und deutete damit an, dass das geplante, von den USA gebaute Kernkraftwerk dabei helfen könnte.
Bereits im September letzten Jahres wurde nach Nawrockis unverhohlenem Hinweis gegenüber französischen Medien auf die damaligen Absichten Polens eingeschätzt, dass „die USA Polens Pläne für Atomwaffen stillschweigend unterstützen dürften“. Zum Hintergrund: Frankreich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vorgeschlagen, dass Polen an seinem Programm zur gemeinsamen Nutzung von Atomwaffen teilnehmen könnte, was Nawrocki sehr begrüßen würde. Es besteht daher die Möglichkeit, dass Frankreich, entweder in Abstimmung mit den USA oder mit deren Zustimmung, Polen auch bei der Entwicklung von Atomwaffen unterstützen könnte.
Die vorangegangene Analyse, auf die der Hyperlink verweist, kam auch zu dem Schluss, dass „Russland wahrscheinlich keinen Krieg mit der NATO riskieren wird, indem es einen Präventivschlag gegen französische Atomwaffen in Polen oder polnische Nuklearanlagen durchführt“, da die USA weiterhin zu Artikel 5 stehen, insbesondere in Bezug auf Polen, einem ihrer wichtigsten Verbündeten überhaupt. Nachdem Trump 2.0 jedoch Anfang dieses Monats das New-START-Abkommen auslaufen ließ, ohne es gemäß Putins Vorschlag zu verlängern, kamen Befürchtungen hinsichtlich eines globalen nuklearen Wettrüstens auf, auf die hier eingegangen wurde.
Diese Analyse erinnerte die Leser daran, dass „das Völkerrecht nur dann eingehalten wird, wenn es glaubwürdige Durchsetzungsmechanismen oder den politischen Willen gibt, das Völkerrecht einseitig durchzusetzen, sollten die vorgenannten Mechanismen nicht mehr existieren, was aufgrund der dysfunktionalen Pattsituation im UN-Sicherheitsrat in den letzten zehn Jahren derzeit wohl der Fall ist“. Solange eine aufstrebende europäische Atommacht wie Polen noch unter dem nuklearen Schutzschild der USA steht, wird es Russland, so wurde den Lesern ebenfalls in Erinnerung gerufen, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht riskieren, mittels eines Angriff auf ihre Nuklearanlagen einen Dritten Weltkrieg auszulösen.
Die oben genannte Erkenntnis sollte jedoch nicht so interpretiert werden, dass Polen, Deutschland, die nordischen Länder oder andere Länder in Europa bald Atomwaffen entwickeln werden, da es unvorstellbar ist, dass eines dieser Länder ein solches Programm ohne zumindest die stillschweigende Zustimmung der USA in Angriff nehmen würde. Bislang ist Polen das einzige Land, das seine Absichten offen erklärt hat. Nun liegt es an den USA, zu entscheiden, ob sie einen ihrer wichtigsten Verbündeten dazu auffordern, sich zurückzuziehen, über seinen Vorstoß hinwegzusehen oder ihm gar dabei zu helfen.
Einige Mitglieder der Trump-Regierung mögen vielleicht davon ausgehen, dass ein nuklear bewaffnetes Polen nach dem Ende des Ukraine-Konflikts zur Eindämmung Russlands in Europa beitragen könnte. Dies würde aber voraussetzen, dass die polnische Führung stets rational bleibt, und es ist bereits fraglich, ob sie derzeit überhaupt rational agiert. Es besteht auch die begründete Sorge, dass Polen seine Atomwaffen in Drittländern wie den baltischen Staaten und/oder der Ukraine stationieren und ihnen möglicherweise sogar die Befugnis zum Einsatz taktischer Varianten dieser Waffen erteilen könnte, was das Risiko eines Dritten Weltkriegs erheblich erhöhen würde.
Trump 2.0 muss daher dringend seine Position zu diesem Thema klarstellen, damit keine Unklarheiten darüber bestehen, wo die US-Regierung in dieser Frage steht. Selbst wenn die USA aus Gründen der „glaubhaften Abstreitbarkeit” und um die Spannungen mit Russland zu entschärfen, ein Auge zudrücken würden, sollte Frankreich Polen bei der Entwicklung von Atomwaffen helfen, könnte dies das ohnehin schon gefährliche Sicherheitsdilemma zwischen der NATO und Russland radikal verschärfen. Dies zuzulassen, birgt die reale Gefahr, die Büchse der Pandora zu öffnen und zu einer unkontrollierbaren Verbreitung von Atomwaffen in Europa und der ganzen Welt zu führen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.