Von Moshe Zuckermann – 7. Februar 2026

Der 21-Punkte-Plan von Donald Trump hat den Waffenstillstand im Gazakrieg gezeitigt, mithin den Krieg beendet. Stimmt das überhaupt?
Viele hohle Worte sind in den letzten beiden Jahren zur Beschreibung von Abläufen und Entwicklungen im Gazakrieg verwendet worden. Zu den trügerischsten gehören in letzter Zeit “Waffenstillstand” und “Kriegsende”. Nachdem Donald Trumps 21-Punkte-Plan in Kraft trat, wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt. Das hat mit der Realität indes nichts zu tun, denn die israelischen Angriffe dauern auch in diesen Tagen an.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen (die mittlerweile auch in Israel als glaubwürdig eingestuft werden) wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens bis zum 17.1.2026 464 Menschen getötet, darunter mindestens 100 Kinder, und 1275 weitere durch Beschuss israelischer Streitkräfte verletzt. Inzwischen ist die Zahl der Toten, verschiedenen Quellen zufolge, schon auf weite über 500 PalästinenserInnen angestiegen. In Israel werden diese Daten weitgehend trocken registriert (wenn sie überhaupt berichtet werden), ohne sich mit “dem Thema” weiter größer zu befassen.
Mehrere Gründe lassen sich dafür anführen. Zum einen ist für das Gros der israelischen Bevölkerung der Krieg mit der “Befreiung” der letzten (toten) Geisel und ihrer kollektiv gefeierten Bestattung an sein Ende gelangt. Das Schicksal der Palästinenser während und nach dem (vermeintlichen) Ende des Krieges interessiert die allerwenigsten jüdischen BürgerInnen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nunmehr auf die Frage der Nominierung einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der Katastrophe des 7. Oktobers und des nicht minder katastrophalen Krieges, den Israel vom Zaun gebrochen hat. Dies wiederum hat primär mit der unmittelbar nach dem 7. Oktober begonnenen, perfiden Regierungspraxis zu tun, der es darum geht, sämtliche Schuld am Desaster von sich abzuwälzen und sie der Armee und den Geheimdiensten zuzuschreiben. Denn Wahlen stehen dieses Jahr an, und nichts ist der Regierungskoalition bedrohlicher, als der mögliche Macht- und Herrschaftsverlust. Gelogen wird dabei am laufenden Band, ohne die mindeste Verunglimpfung und giftige Besudelung aller Gegner der Regierung (und Netanjahus) auszulassen.