„America First“: Trumps verzweifelter Anlauf zur neuen Weltherrschaft

Interview mit Werner Rügemer. Interview: Éva Péli – 6. Februar 2026

Ist Donald Trumps „America First“-Kurs ein Rückzug in den Isolationismus oder der Beginn einer aggressiven neuen Globalisierungswelle? Der Publizist, Philosoph und langjährige Gastautor der NachDenkSeiten Werner Rügemer analysiert im Gespräch mit Éva Péli, wie die USA unter dem Einfluss einer neuen Oligarchen-Generation weltweit nach Territorien und Ressourcen greifen. Er zeichnet das Bild eines „Raubtierkapitalismus“, der keine moralischen Masken mehr braucht und Europa zunehmend in eine gefährliche Abhängigkeit drängt.

Éva Péli: Viele Beobachter interpretieren die Politik Donald Trumps als Rückzug der Vereinigten Staaten von Amerika in den „Isolationismus“ oder zumindest auf den traditionellen Hinterhof Lateinamerika. Sie aber sagen: Mit Trump rolle eine neue Globalisierungswelle. Warum?

Werner Rügemer: Trump bezieht sich in seiner „Nationalen Sicherheitsstrategie“ vom Dezember 2025 auf die Monroe-Doktrin. Sie stammt von 1823, als der US-Gründungsstaat noch am Anfang seiner weiteren Expansion stand, in Nordamerika, und die europäischen Kolonialmächte raushalten beziehungsweise vertreiben wollte. Aber das Monroe-Prinzip besagt: Aus allen neu zu erobernden Gebieten müssen alle Feinde und Konkurrenten vertrieben werden!

1918, noch im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, organisierten die USA gemeinsam mit ihren europäischen Alliierten – und in einer pragmatischen Allianz sogar mit dem befeindeten Deutschland – die militärische Intervention in Russland. Ziel dieser Invasion war es, die junge sozialistische Regierung unter Wladimir I. Lenin gewaltsam zu vertreiben und die alte Ordnung oder ein genehmes Regime zu restaurieren.

Obwohl dieser massive Versuch der Konterrevolution damals am Widerstand der Bevölkerung scheiterte, markiert er den Beginn einer Interventionspolitik, die im Kern bis heute anhält. Bekannte US-Präsidenten wie Theodore und Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower, Richard Nixon, George H. W. und George W. Bush, Barack Obama sowie Joseph Biden setzten diese Expansionspraktiken fort – offen und geheim, mit professioneller fake production [Anm. NDS-Red.: systematische, industrielle Herstellung von Scheinrealitäten]. Das macht auch Trump, national, global, situationsbedingt auch in neuen Formen.

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