Am Puls des Wachhunds

Von Pascal Sigg – 30. Januar 2026

Eine sehenswerte Doku zeigt den couragierten Journalisten Seymour Hersh ungeschönt. Und hilft, Trumps USA zu verstehen.

Der US-Journalist Seymour Hersh gilt als Held der Nonkonformisten. Weshalb zeigt die seit wenigen Wochen laufende Netflix-Doku »Cover-Up«. Verantwortlich für den Film zeichnet die US-Regisseurin Laura Poitras. Sie erhielt für die Edward-Snowden-Doku »Citizenfour« (2014) einen Oscar und widmete sich mit »Risk« (2016) Wikileaks-Gründer Julian Assange.

In ihrem neusten Werk, das unlängst ebenfalls auf die Oscar-Shortlist gesetzt wurde, widmet sich Poitras dem heute 88-jährigen Investigativjournalisten Hersh. Mit Zusammenschnitten faszinierender Archiv-Aufnahmen erzählt sie aber nicht nur Leben und Karriere des bekannten Reporters.

Poitras verfolgt auch eine häufig ausgeblendete Geschichte, welche die gegenwärtigen imperialen Gelüste der USA unter Trump, die Unterdrückung politischer Gegner oder die Unterstützung israelischer Kriegsverbrecher als Konsequenzen vergangener Straflosigkeit erklären kann.

20 Jahre bis zum Film

Dafür braucht es einen langen Atem. Poitras fragte Hersh bereits 2004 an, ob er sich für einen Dokumentarfilm begleiten lassen würde. Damals, zu Beginn des zweiten Irakkriegs, war er die lauteste der sehr wenig kritischen Stimmen, welche das Vorgehen der Bush-Regierung nach 9/11 hinterfragten. Poitras reiste damals in den Irak, fassungslos darüber, wie obrigkeitshörig die großen US-Massenmedien über die Kriegsvorbereitungen berichteten. Im Irak drehte Poitras den Film »My Country, My Country« (2006). Nach ihrer Rückkehr in die USA nahm sie Kontakt mit Hersh auf, doch dieser lehnte ab. 20 Jahre später sagte er doch zu.

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