Merz und Meloni schmieden neue Achse Berlin–Rom
Von Johannes Stern – 27. Januar 2026
Kurz nachdem sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens rechtsextreme Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am vergangenen Freitag bei den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen demonstrativ lächelnd den Kameras präsentierten, wurde in den Vereinigten Staaten erneut ein Einwohner von Minneapolis von Einsatzkräften der Abschiebebehörde ICE getötet. Der Krankenpfleger Alex Pretti wurde im Zuge einer Razzia regelrecht exekutiert – ein weiterer Mord im Rahmen der eskalierenden faschistischen Offensive der Trump-Regierung.
Weder die Bundesregierung noch eine andere europäische Regierung verurteilten dieses Verbrechen. Und das, obwohl sich die transatlantischen Spannungen zuletzt massiv verschärft haben – etwa im Zusammenhang mit den imperialistischen Konflikten um Grönland und die Arktis. Dieses Schweigen ist kein diplomatisches Versehen. Es ist Ausdruck einer tiefgehenden politischen Übereinstimmung.
Zum einen halten sich die europäischen Mächte mit Kritik an Washington bewusst zurück. Sie wollen das Bündnis mit dem US-Imperialismus so lange wie möglich aufrechterhalten, bis sie selbst militärisch hochgerüstet sind und eine eigenständige Rolle bei der imperialistischen Neuaufteilung der Welt spielen können. Zum anderen – und das ist der noch grundlegendere Punkt – teilen sie den Kern von Trumps Politik: Militarismus nach außen, autoritäre Herrschaft nach innen und eine brutale Abschottung gegenüber Flüchtlingen.