Von Thomas Röper – 28. November 2025
Andrej Jermak, der fast allmächtige Büroleiter von Selensky, ist nach Durchsuchungen durch das NABU zurückgetreten. In Kiew könnte nun Chaos ausbrechen, denn damit wird die Macht in Kiew neu verteilt.
Erst vor wenigen Stunden habe ich über die Durchsuchungen des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine (NABU) berichtet, die am Morgen in Jermaks Wohnung und seinem Büro im ukrainischen Präsidialamt stattgefunden haben. Einige Stunden später teilte Selensky in seiner allabendlichen Videoansprache mit, Jermak habe seinen Rücktritt eingereicht. Ob Jermak tatsächlich aus eigenem Antrieb zurückgetreten ist, oder ob er „zurückgetreten wurde“, ist Spekulation.
Der Schritt war überfällig und wurde in Kiew nach den Dursuchungen des NABU in Jermaks Wohnung und seinem Büro umso lauter gefordert und auch erwartet. Jermak war de facto der zweitmächtigste Mann des Landes, manche sahen in ihm sogar den heimlichen Machthaber in der Ukraine. Er hatte seinen Posten als Selenskys Büroleiter geschickt genutzt, um die Macht in seinen Händen zu vereinen, denn bei ihm liefen die Strippen zu Geheimdiensten, Regierung, Ministerien, Behörden, Staatsbetrieben und so weiter zusammen. Und er hatte sich in Kiew sehr viele Feinde gemacht, die seit langem seinen Rücktritt forderten.
Nachdem der Korruptionsskandal bekannt geworden war und nachdem auch bekannt geworden war, dass auf den veröffentlichten Audiomitschnitten der Gespräche der Korruptionäre klare Hinweise auf Jermaks Beteiligung an den Machenschaften zu hören waren, wurden die Forderungen an Selensky, Jermak zu feuern, auch in seiner eigenen Fraktion immer lauter. Aber noch vor knapp einer Woche rief Selensky die Abgeordneten seiner Fraktion zusammen und erteilte den Forderungen, Jermak zu feuern, eine klare Absage.
Auch aus den USA war in den letzten Monaten immer wieder zu hören, dass man nicht gut auf Jermak zu sprechen ist. Die Liste der Gegner Jermaks wuchs innerhalb und außerhalb der Ukraine, während die Liste seiner Freunde schrumpfte. Aus den Meldungen der Nachrichtenticker der letzten Wochen und Monate bekam man den Eindruck, dass Jermak nur noch einen Freund hatte, der sich offen zu ihm bekannte. Und das war Selensky.
Das ist auch kein Wunder, denn Selensky brauchte die Machtstrukturen, die Jermak geschaffen hatte, um die wachsende Kritik an seiner Politik unter Kontrolle zu halten.