Schwimmende Foltergefängnisse Drucken E-Mail

Hunderte Gefangene auf US-Kriegsschiffen untergebracht und "unter Folter verhört". Washington dementiert Vorwürfe der Menschenrechtsorganisation Reprieve.

Von Rainer Rupp
13. Juni 2008

 

Die US-Kriegsmarine unterhielt bis vor kurzem Geheimgefängnisse auf See. Auf mehreren Schiffen habe Washington Verließe zum "Verhör von Terrorverdächtigen" eingerichtet, erklärte am Montag in London die britische Menschenrechtsgruppe Reprieve, die sich für juristischen Beistand für Häftlinge insbesondere im US-Gefangenenlager Guantánamo einsetzt. Laut Reprieve bestand die schwimmende Gefängnisflotte aus mindestens 17 kleineren US-Kriegsschiffen, wovon jedes mindestens 20 Gefangene aufnehmen konnte. Drei der Schiffe nannte die Organisation namentlich: die amphibischen Angriffsschiffe "Bataan" und "Peleliu" sowie das Landungsschiff "Ashland".

Die Enthüllungen wurden in der britischen Tageszeitung The Guardian (2.6.) 1 veröffentlicht und von der US-Navy prompt dementiert: "Wie haben keine Gefängniseinrichtungen auf operativen Kriegsschiffen", sagte der US-Navy-Sprecher Jeffrey Gordon. Allerdings hatte die US-Marine in der Vergangenheit bereits zwei Fälle eingestanden, bei denen Terrorverdächtige über längere Zeit auf Schiffen festgehalten worden waren. Im ersten Fall handelt es sich um den jungen Walker Lindh, der als "amerikanischer Taliban" bekannt wurde, weil er im Herbst 2001 auf Seiten der Islamisten gegen die angreifenden US-Streitkräfte gekämpft hatte. Lindh war zuerst auf der "Bataan" und dann auf der "Peleliu" festgehalten worden. Im zweiten Fall hatte ein US-Kreuzer im Jahr 2005 auf See vor dem Horn von Afrika so lange mutmaßliche Piraten an Bord festgehalten, bis Kenia einwilligte, diese aufzunehmen und Anklage zu erheben.

Aus der Erklärung von Reprieve geht hervor, dass Hunderte Gefangene auf den US-Kriegsschiffen untergebracht waren. Dort seien diese "unter Folter verhört", bevor sie nach Guantánamo oder in andere, ebenfalls geheime Gefängnisse verbracht wurden. Als Beleg für ihre Behauptungen zitierte die britische Organisation US-Militärangehörige und Regierungsbeamte sowie Dokumente des Europarats und britischer Regierungsbehörden. Auch stützt sie sich auf Aussagen inzwischen freigelassener Gefangener. Eines der Opfer beschrieb die Bedingungen an Bord der "Bataan", wo sich über 50 andere Gefangene befunden hätten: "Wir waren alle im untersten Teil weggeschlossen, wo wir noch schlimmer mißhandelt wurden als später auf Guantánamo."

Anmerkungen:

1 http://www.guardian.co.uk/world/2008/jun/02/usa.humanrights
http://www.guardian.co.uk/world/2008/jun/02/terrorism.terrorism

Originalbeitrag: junge Welt, 04.06.2008

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